Knoten- und Maschenanalyse

Bei der Betrachtung von elektrischen Netzwerken werden vor allem die Ströme in Knoten und die Spannungen in Maschen analysiert. Die Analyse von Knoten und Maschen in elektrischen Netzwerken erfolgt durch die beiden Kirchhoffsche Regeln.

Lernziele: Knoten- und Maschenanalyse

Die Studierenden

1.
kennen die grundlegenden Definitionen zur Beschreibung eines elektrischen Netzwerkes.
2.
können die Knotenregel und die Maschenregel auf elektrische Netzwerke anwenden.

1 Stromdichte im freien Raum

Gegebenheiten und Begriffe aus der Feldtheorie führen zu den Erklärungen im strukturierten Feldraum. Dazu werden in der Abbildung 1 eine positiv geladene Platte und eine negativ geladene Platte dargestellt, die sich gegenüberstehen. Der Raum zwischen den beiden Platten weist ein Elektrisches Feld \(\vec {E}\) und ein Medium mit der Leitfähigkeit \(\sigma \) auf. Ladungsträger können sich in dem freien Raum bewegen. Es stellt sich eine gerichtete Bewegung von Ladungsträgern und damit eine Stromdichte \(\vec {J}\) zwischen den Platten ein. Die Stromdichte ist dabei in der betrachteten Fläche quellenfrei.

Die Skizze zeigt einen rechteckigen Leiterblock zwischen zwei senkrechten Elektroden; die linke
Elektrode ist positiv („+“), die rechte negativ („–“) geladen. Zwischen den Elektroden verläuft ein
homogenes elektrisches Feld E als waagerechte Feldlinien von links nach rechts, im gesamten
Volumen gilt eine konstante Leitfähigkeit Sigma. Im Inneren ist eine schräg stehende Schnittfläche
eingezeichnet, durch die ein Vektor der Stromdichte J nach rechts zeigt und so die Stromdichte
parallel zum elektrischen Feld markiert.

Abbildung 1: Elektrisches Feld zwischen einer positiv geladenen und einer negativ geladenen Platte. Die Stromdichte einer Beispielfläche im elektrischen Feld ist quellenfrei.

Die Quellenfreiheit der Stromdichte wird durch die Gleichung 1 verdeutlicht. Hier wird beschrieben, dass keine Quellen oder Senken existieren, da sich keine feldbildenden Ladungen im Raum befinden. Für diesen Fall ist die Stromdichte quellenfrei und es fließen dieselbe Anzahl an Ladungen in die Fläche hinein und wieder heraus. Mathematisch wird dies für die Betrachtung im freien Raum in der Kontinuitätsgleichung ausgedrückt:

\begin {equation} \oint _{}^{} \vec {J} d\vec {A} = 0 \rightarrow div \vec {J} = 0 \label {divJQuellenfreiheit} \end {equation}

2 Stromdichte im strukturierten Raum

Im strukturierten Feldraum (vgl. Abbildung 2) gilt ebenfalls die Quellenfreiheit der Stromdichte. Alle Ladungen, die in den Feldraum eindringen, müssen ihn auch wieder verlassen. Dies gilt auch für den Fall, dass ein elektrischer Leiter mehr als einen Ableiter aufweist. Es wird eine Zuleitung mit zwei Ableitungen angedeutet, bei dem sich die Ladungen auf die beiden Ableitungen aufteilen. Die Zylinder-Mantelflächen \(A_1\), \(A_2\) und \(A_3\) definieren mit den angrenzenden Zylindern einen strukturierten Feldraum. Wie die Ladungen teilen sich die Stromdichten durch den strukturierten Raum auf. So ergibt sich die Stromdichte \(\vec {J_1}\) aus der Summe der abfließenden Stromdichten \(\vec {J_2}\) und \(\vec {J_3}\).

Die Abbildung zeigt ein T-förmiges Rohr, das einen Leiterkanal darstellt: eine waagerechte
Hauptleitung, von der in der Mitte ein senkrechter Ast nach unten abzweigt. In der Hauptleitung
sind links und rechts kreisförmige Querschnitte A_1 und A_2 eingezeichnet, durch die die Ströme
I_1und I_2 fließen; im abzweigenden Rohr unten liegt der Querschnitt A_3 mit dem Strom I_3.
Entlang der Rohre sind rote Pfeile mit den Bezeichnungen J_1, J_2und J_3 eingezeichnet, welche
die Richtung der Stromdichte in den drei Leitungsabschnitten angeben (von links nach rechts in der
Hauptleitung, nach unten im Abzweig).

Abbildung 2: Strukturierter Feldraum. Vereinfachte Darstellung eines sich aufteilenden Leiters mit den Stromdichten \(J_1\), \(J_2\) und \(J_3\) und den Flächen \(A_1\), \(A_2\) und \(A_3\).

Da der Feldraum im Beispiel durch die Flächen strukturiert und der Querschnitt der Leitung definiert ist, lassen sich aus der Beziehung zwischen der Stromdichte und der Fläche die Ströme der Leitungen gemäß Gleichung 2 ermitteln.

\begin {equation} I_1 = \iint _{A}^{} \vec {J_1} d\vec {A} \label {GleichungStromberechnung} \end {equation}

Der Zusammenhang der Stromdichten zueinander lässt sich so auf die Ströme übertragen. Der Strom der Zuleitung \(I_1\) ergibt sich aus der Summe der beiden Ableitungsströmen \(I_2\) und \(I_3\). Der Beispielleiter kann auch als vereinfachtes elektrisches Netzwerk dargestellt werden. Die ermittelten Ströme um den Verbindungspunkt K (Knoten) werden in der Abbildung 3 abgebildet.

Die Skizze zeigt einen einzelnen Knoten K, an dem eine waagerechte Leitung und eine senkrechte
Leitung nach unten zusammentreffen. Auf dem waagerechten Leiter fließen die Ströme I_1 von
links nach K und I_2 von K nach rechts. Auf der senkrechten Leitung fließt der Strom I_3 vom
Knoten K nach unten.

Abbildung 3: Beispielknoten aus dem strukturierten Raum. Aus den Stromdichten \(J_1\), \(J_2\) und \(J_3\) ergeben sich um den Knoten K die Ströme \(I_1\), \(I_2\) und \(I_3\).

3 Exkurs: Graphentheorie

In der Mathematik beschäftigt sich die Graphentheorie mit der Beschreibung von Knoten und Kanten, in der Kontenanalyse werden ebenfalls Knoten und Äste definiert. Durch die Graphentheorie können die Kanten und Knoten, welche in der Abbildung 4 dargestellt werden, sowie deren Eigenschaften miteinander in Beziehung gesetzt werden. Über die Kanten können mehrere Knoten miteinander verbunden werden.

Die Grafik zeigt einen einzelnen roten Punkt, von dem mehrere dünne Linien strahlenförmig
wegführen. Der rote Punkt ist mit „Knoten“ beschriftet und steht für einen Verknüpfungspunkt im
Netzwerk. Die von dort ausgehenden Linien sind mit „Kanten“ bezeichnet und repräsentieren die
Verbindungen zwischen diesem Knoten und anderen Punkten.

Abbildung 4: Beispielknoten der Graphentheorie. Knoten mit 4 Kanten zur Erläuterung von Knoten und Kanten in der Graphentheorie.

Werden mehrere Knoten mit ihren Kanten miteinander verbunden entsteht ein Graph. Mit diesem Graph kann exemplarisch ein elektrisches Netzwerk beschrieben werden. Das Beispiel eines Netzwerkes mit fünf Knoten und den zwischen den Knoten liegenden Kanten wird in der Abbildung 5 gezeigt. Wird ein Weg durch das Netzwerk gesucht ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten. Ein Weg vom Knoten 1 über die Knoten 2, 4 und 5 zurück zum Knoten 1 wird rot hinterlegt. Sind Anfang und Ende derselbe Knoten, so wird dieser Weg in der Graphentheorie auch als Zyklus bezeichnet. Jeder Zyklus, bei dem jeder Knoten bis auf den Anfang und das Ende nur einmal „besucht“ wird, nennt man einen „Kreis“. In elektrischen Netzwerken werden diese Kreise auch als Maschen bezeichnet.

Die Abbildung zeigt einen Graphen mit fünf Knoten, die als Punkte 1, 2, 3 (oben von links nach
rechts) sowie 5 unter 2 und 4 unter 3 angeordnet sind. Schwarze Kanten verbinden die Paare 1 – 2,
2 - 3, 2 – 5, 3 – 4, 4 – 5, 1 – 5 (diagonal) und 2 - 4 (diagonal). In Rot ist ein gerichteter Umlauf
markiert: von 1 nach 2, weiter nach 4, dann nach 5 und schräg zurück nach 1.

Abbildung 5: Beispielnetzwerk der Graphentheorie. Netzwerk mit 5 Knoten und zwischen den Knoten verlaufenden Kanten zur Erläuterung eines Zyklus in der Graphentheorie.

Um die Beziehung der Knoten untereinander zu erklären bietet sich in der Mathematik eine Matrix an. Die Knoten weisen eine differenzierte Anzahl von Kanten auf und nicht alle Knoten sind miteinander verbunden. Die Adjazenz-Matrix beschreibt die Beziehung der Knoten untereinander. Eine solche Adjazenz-Matrix wird in der Gleichung 3 für das beschriebene Beispielnetzwerk aufgestellt. Sie beschreibt damit vollständig den Graphen, abgesehen von der grafischen Repräsentanz in der 2D-Darstellung.

\begin {equation} A = \begin {bmatrix} \color {blue}{1} & 1 & 0 & 0 & 1\\ 1 & \color {blue}{1} & 1 & 1 & 1\\ 0 & 1 & \color {blue}{1} & 1 & 0\\ 0 & 1 & 1 & \color {blue}{1} & 1\\ 1 & 1 & 0 & 1 & \color {blue}{1} \end {bmatrix} \label {AdjazenzMatrix} \end {equation}

Merke: Graphentheorie

In der Graphentheorie werden Netzwerke mit Kanten und Knoten beschrieben. Bei der Analyse der Netzwerke werden Wege und Zyklen definiert. Ein durchgehender Zyklus mit einem identischen Startpunkt und Endpunkt wird als Kreis bezeichnet.

4 Knoten, Zweig, Masche

Ein elektrisches Netzwerk besteht aus Knoten, Zweigen und Maschen. Ein Zweig verbindet genau zwei Knoten durch ein oder mehrere Schaltungselemente miteinander. Durch alle Elemente eines Zweiges fließt der gleiche Strom. In Abbildung 6 existieren drei Zweige. Ein Zweig mit den Komponenten \(R_1\), \(R_5\) und \(U_\mathrm {q1}\), ein Zweig mit dem Widerstand \(R_4\) und ein Zweig mit den Komponenten \(R_2\), \(R_3\) und \(U_\mathrm {q2}\).

Ein Knoten ist ein Punkt, an dem mindestens drei Anschlüsse der Schaltungselemente zusammenlaufen. Der Strom kann sich hier also aufteilen. Das elektrische Potential ist hierbei für alle verbundenen Anschlüsse identisch. Im Schaltplan wird ein Knoten durch einen ausgefüllten Kreis gekennzeichnet. Sind jedoch zwei oder mehrere dieser Kreise nur durch eine Leitung miteinander verbunden, handelt es sich um einen einzigen Knoten, da das Potential auch hier gleich ist. Ein Knoten wird mit \(K_n\) bezeichnet.

Eine Masche ist ein geschlossener Weg, der aus mindestens zwei Zweigen besteht. In dem Netz in Abbildung 6 können drei Maschen definiert werden:

  • \(M_1\) bestehend aus \(R_1\), \(R_4\), \(R_5\) und \(U_\mathrm {q1}\)
  • \(M_2\) bestehend aus \(R_2\), \(R_3\), \(R_4\) und \(U_\mathrm {q2}\)
  • \(M_3\) bestehend aus \(R_1\), \(R_2\), \(R_3\), \(U_\mathrm {q2}\), \(R_5\) und \(U_\mathrm {q1}\)

Eine Masche wird mit \(M_\mathrm {n}\) bezeichnet. Die Umlaufrichtung ist dabei von Bedeutung und wird mit einem Pfeil gekennzeichnet.

Die Schaltung besteht aus einem rechteckigen Leitungsrahmen mit zwei Maschen M_1 links und
M_2 rechts, die über den mittleren Widerstand R_4 senkrecht verbunden sind. Oben liegen die
Widerstände R_1(links) und R_2(rechts), rechts außen sitzt R_3, unten links R_5; links und
unten rechts sind Spannungsquellen U_q1 bzw. U_q2 eingezeichnet. Der mittlere Widerstand R_4
verbindet den oberen Knoten K_1 mit dem unteren Knoten K_2, über ihm ist die Spannung U_4
nach unten markiert; die zugehörigen Ströme heißen I_1 und I_2 in der oberen Leitung (von links
nach rechts) sowie I_3 durch R_4 nach unten.

Abbildung 6: Gleichstromnetzwerk. Netzwerk mit Knoten, Zweigen und Maschen

Merke: Knoten, Zweige und Maschen

Elektrische Netzwerke werden analog zur Graphentheorie durch Knoten, Zweige und Maschen beschrieben.

5 Der vollständige Baum

Für die weitere Analyse des Netzwerkes ist es notwendig, die Netzwerkgleichungen zu ermitteln. Dieses lineare Gleichungssystem ist aber immer überbestimmt, weshalb es nötig wird, die Anzahl der Gleichungen zu reduzieren. Dabei ist es wichtig, die linear abhängigen Gleichungen zu identifizieren und zu eliminieren.

Die Knoten, Zweige und Maschen eines Netzwerkes können in einem Graph dargestellt werden, der nur die Verbindungen untereinander darstellt. Zur Darstellung des Graphen werden alle Zweige als Linien dargestellt, welche die Knoten verbinden. Der Inhalt des Zweiges ist dafür irrelevant. In Abbildung 7 ist ein beispielhaftes Netz mit dem sich ergebenden Graphen dargestellt.

Die             Schaltung             besteht
aus einem rechteckigen Leitungsrahmen
mit  zwei  Spannungquellen  und  einer
Stromquelle:  links  in  der  Vertikalen
eine  Spannungsquelle  U_0  (Pfeil  nach
unten),   oben   zwischen   den   beiden
oberen  Knoten  eine  Spannungsquelle
U_1 (Pfeil nach rechts) und unten links
eine Stromquelle I_2 (Pfeil nach links).
Zwischen dem oberen linken und oberen
rechten  Knoten  liegt  der  Widerstand
R_1,   zwischen   dem   unteren   linken
Knoten   und   einem   unteren   rechten
Innenknoten der Widerstand R_4. Vom
oberen   rechten   Knoten   führt   nach
unten  der  Widerstand  R_3,  und  vom
oberen linken Knoten verläuft diagonal
zum  unteren  rechten  Innenknoten  der
Widerstand R_2, sodass im Inneren ein
Dreieck aus R_1, R_2 und R_3/R_4
entsteht.

Die Abbildung zeigt einen Graphen mit fünf Knoten. Vier Knoten bilden die Ecken eines Rechtecks, dessen Kanten vollständig gezeichnet sind; zusätzlich verbinden beide Diagonalen die jeweils gegenüberliegenden Ecken. Die beiden oberen Ecken des Rechtecks sind mit einem fünften, mittig darüber liegenden Knoten verbunden, sodass über dem Rechteck ein Dreieck wie ein „Dach“ entsteht.
Abbildung 7: Gleichstromnetzwerk und Graph. Erzeugung des Graphen aus einem zu berechnenden Netzwerk

In diesem Graph kann ein vollständiger Baum aufgezeichnet werden, der alle Knoten enthält, aber selbst keine Masche bildet. Die Baumzweige verbinden also alle Knoten miteinander, bilden aber keine geschlossene Linie. Die Baumzweige können Abzweigungen bilden, ein Knoten kann also auch mehr als zwei Baumzweige berühren. In größeren Netzwerken gibt es mehrere Möglichkeiten für einen vollständigen Baum, die prinzipiell gleichwertig sind. Bei der Vorstellung der verschiedenen Berechnungsverfahren werden aber abhängig vom Verfahren bestimmte Kombinationen bevorzugt. Ein vollständiger Baum beinhaltet genau \(k-1\) Zweige.

Die       Abbildung
zeigt            einen
„Haus“-Graphen
mit   fünf   Knoten
(ein         Quadrat
mit  Dach),  jeweils
mit einem anderen
Teilgraphen       in
roten, gestrichelten
Kanten
hervorgehoben.
Das Dach und der
rechte  und  untere
Rand             sind
gestrichelt.

Die       Abbildung
zeigt            einen
„Haus“-Graphen
mit   fünf   Knoten
(ein         Quadrat
mit  Dach),  jeweils
mit einem anderen
Teilgraphen       in
roten, gestrichelten
Kanten
hervorgehoben.
Der  rechte,  untere
und   linke   Rand
sind gestrichelt.
Die       Abbildung
zeigt            einen
„Haus“-Graphen
mit   fünf   Knoten
(ein         Quadrat
mit  Dach),  jeweils
mit einem anderen
Teilgraphen       in
roten, gestrichelten
Kanten
hervorgehoben.
Die           inneren
Kanten          sind
gestrichelt.
Die       Abbildung
zeigt            einen
„Haus“-Graphen
mit   fünf   Knoten
(ein         Quadrat
mit  Dach),  jeweils
mit einem anderen
Teilgraphen       in
roten, gestrichelten
Kanten
hervorgehoben.
Die
linke   und   untere
sowie  die  diagonal
verlaufende  Kante
von   oben   rechts
nach   unten   links
sind getrichelt.
Abbildung 8: Beispielbäume. Beispiele für verschiedene in rot gezeichnete vollständige Bäume eines Netzes

Die Zweige, die zum Baum gehören, werden Baumzweige (rot), die anderen Verbindungszweige (schwarz) genannt. Um die linear unabhängigen Maschen zu finden, wird zu jedem Verbindungszweig eine Masche gebildet, die außer dem Verbindungszweig nur Baumzweige enthält.

  • Ein Netzwerk mit \(z\) Zweigen und \(k\) Knoten enthält \(z-k+1\) Verbindungszweige.

Merke: Der vollständige Baum

Mithilfe eines vollständigen Baumes werden alle Knoten miteinander durch Baumzweige verbunden. Es ergeben sich dabei immer k - 1 Baumzweige. Der vollständige Baum bildet keine Masche.

6 Knotenregel

Treffen sich mehr als zwei Leitungen an einem Punkt eines elektrischen Netzwerkes handelt es sich um einen Knotenpunkt K. Die Pfeilrichtung aus der Sicht des Knotens bestimmt das Vorzeichen des Stromes. Führt ein Strom in einen Knoten hinein, so zeigt der Strompfeil auf den Knoten und es handelt sich um eine Einströmung. Zeigt der Strompfeil aus dem Knoten heraus, wird der Strom aus dem Knoten herausgeführt und es handelt sich um eine Ausströmung. Die Knotenanalyse ergibt sich aus dem 1. Kirschhoff‘schen Gesetz, welches besagt: Die Summe aller Ströme an einem Knoten ist Null (Gleichung 4). Dieses Gesetz folgt direkt aus der Kontinuitätsgleichung (vgl. Abschnitt Stromdichte im freien Raum)

\begin {equation} \sum _{k = 1}^{N}{I_\mathrm {k} = 0} \label {Knotenregel} \end {equation}

So müssen sich für jeden Knoten die Summe der Stromstärken aus Einströmungen und Ausströmungen gegenseitig ausgleichen. In der Abbildung 9 sind ein Knoten K und die Ein- und Ausströmungen eingezeichnet. Bei den Strömen \(I_1\) und \(I_2\) handelt es sich um Einströmungen. Die drei Ströme \(I_3\), \(I_4\) und \(I_5\) sind Ausströmungen.

Die Abbildung zeigt einen einzelnen Knoten, in den bzw. aus dem fünf Leiterzweige strahlenförmig
verlaufen. Zwei Zweige führen nach links oben und links unten, drei Zweige nach rechts, rechts oben
und rechts unten. Auf jedem Zweig ist ein Pfeil eingezeichnet und mit I_1 bis I_5 beschriftet; die
Pfeile geben die jeweilige Stromrichtung entlang des Zweigs an. Die Ströme I_1 und I_2 strömen
in den Knoten und die restlichen Ströme I_3, I_4 und I_5 strömen aus dem Knoten heraus.

Abbildung 9: Beispielknoten. Knoten für die Knotenanalyse mit zwei einströmenden und drei ausströmenden Zweigen.

Werden die Ströme nacheinander aufgetragen und gleich Null gesetzt, ergibt sich die Gleichung 5. Je nachdem ob es sich um eine Einströmung oder eine Ausströmung handelt, wird das Vorzeichen gewählt. Einströmungen werden mit einem positiven und Ausströmungen mit einem negativen Vorzeichen behaftet.

\begin {equation} \sum _{k = 1}^{N}{I_\mathrm {k}} =0=I_1+I_2-I_3-I_4-I_5 \label {KnotenregelBeispielknoten} \end {equation}

Merke: Knotenregel

Die Summe der zufließenden Ströme ist gleich der Summe der abfließenden Ströme oder die Summe aller Ströme an einem Knoten ist Null: \begin {equation} \sum _{k = 1}^{N}{I_\mathrm {k} = 0} \end {equation}

7 Maschenregel

Bewegt sich ein Teilchen zwischen zwei Punkten in einem elektrischen Feld, wird Arbeit verrichtet. Ist der Startpunkt identisch mit dem Endpunkt, muss ebenso viel Arbeit abgegeben wie aufgenommen werden. Die Summe der Arbeit ist in diesem Fall gleich Null. Wenn so ein kompletter Maschenumlauf entlang einer geschlossenen Strecke vollzogen wird, muss die Summe der Teilspannungen ebenfalls gleich Null sein. Vorausgesetzt wird hier, dass sich keine zeitlich veränderte magnetische Flussdichte ergibt und somit kein elektrisches Wirbelfeld entsteht (vgl. Gleichung 7). Die Gleichung beschreibt hier das Faradaysche Induktionsgesetz für statische Felder (hier: keine Änderung eines Magnetfeldes).

\begin {equation} \oint _{s}^{} \vec {E} d\vec {s} = 0 \rightarrow rot \vec {E} = 0 \label {GleichungRingintegralFeldstärke} \end {equation}

Die Maschenanalyse besagt nach der 2. Kirchhoffschen Regel, dass bei einem vollständigen Umlauf (Masche) in einem elektrischen Netzwerk die Summe aller Spannungen gleich Null ist. Dies wird durch die Gleichung 8 verdeutlicht.

\begin {equation} \sum _{k = 1}^{N}{U_\mathrm {k}} =0 \label {Maschenregel} \end {equation}

Innerhalb einer Masche werden die Spannungen mit einer gleichgerichteten Pfeilrichtung positiv gezählt, Spannungen mit der Umlaufrichtung entgegengesetzten Pfeilrichtung werden negativ gezählt. Ausgehend von den Stromverläufen und Potentialen aus der Abbildung 10 können die Spannungen der jeweiligen Zweige ermittelt werden. Oberhalb der Parallelschaltung der Widerstände gibt es keine Potentialdifferenz. Selbiges gilt für die elektrische Verbindung unterhalb der Parallelschaltung. Der Strom \(I_\mathrm {R1}\) fließt durch den Widerstand \(R_\mathrm {1}\). So ergibt sich nach dem ohmschen Gesetz die Spannung \(U_\mathrm {R1}\) über \(R_\mathrm {1}\). Äquivalent wird die Spannung \(U_\mathrm {R2}\) über \(R_\mathrm {2}\) bestimmt.

Die Schaltung besteht aus einem rechteckigen Leitungsrahmen mit drei senkrechten Zweigen: links
eine Stromquelle, in der Mitte der Widerstand R_1, rechts der Widerstand R_2. Die Stromquelle
im linken Zweig speist den Rahmen mit einem Strom I_0, der im linken Zweig nach oben gerichtet
ist. Die Widerstände R_1und R_2 liegen parallel zwischen demselben oberen und unteren Knoten;
an beiden sind Spannungen U_R1bzw. U_R2 sowie Ströme I_R1 und I_R2 nach unten
eingezeichnet. Zwischen den beiden Widerstands-Zweigen ist im Inneren eine Masche M_1 mit
einem Pfeil im Uhrzeigersinn markiert.

Abbildung 10: Beispielnetzwerk mit einer Stromquelle und zwei parallelen Widerständen. In der Masche \(M_1\) müssen die Spannungen \(U_\mathrm {R1}\) und \(U_\mathrm {R2}\) identisch sein und sich ensprechend ihrer Richtungen in der Masche aufheben.

Gemäß des vorgestellten Netzwerkes und der Richtung der eingezeichneten Masche \(M_\mathrm {1}\) stellt sich der Zusammenhang nach Gleichung 9 ein. Die Spannung \(U_\mathrm {R2}\) verläuft in derselben Richtung, wie die eingezeichnete Masche und wird mit einem positiven Vorzeichen behaftet. Die Spannung \(U_\mathrm {R1}\) verläuft gegenläufig der Masche \(M_\mathrm {1}\) und wird somit negativ. In Summe müssen diese beiden Spannungen null ergeben.

\begin {equation} \sum _\mathrm {k = 1}^{N}{U_\mathrm {k}} {= + U_\mathrm {R2}} {- U_\mathrm {R1}} {=0} \label {Maschengleichung} \end {equation}

Merke: Maschenregel

In einer Masche ist die Summe aller Teilspannungen gleich Null: \begin {equation} \sum _{k = 1}^{N}{U_k} =0 \end {equation}

8 Knoten- und Maschenanalyse

Bei der Knoten- und Maschenanalyse wird das vollständige Gleichungssystem bestehend aus Knoten- und Maschengleichungen aufgestellt und anschließend gelöst. Das Verfahren ist einfach, erzeugt jedoch für ein Netzwerk eine Anzahl Gleichungen, die der Anzahl der Zweige entspricht. Das Verfahren hat den folgenden Ablauf:

1.
Vereinfachen des Netzwerkes.
2.
Einzeichnen aller Strompfeile und Erstellen des Graphen.
3.
Aufstellen von \(k-1\) Knotengleichungen. Eine beliebige Knotengleichung kann weggelassen werden, da in einem Netzwerk mit \(k\) Knoten nur \(k-1\) Knotengleichungen linear unabhängig voneinander sind. Prinzipiell ist es egal, welche Knotengleichung unberücksichtigt bleibt. Am geschicktesten wird die komplizierteste Gleichung gestrichen.
4.
Aufstellen der \(m=z-k+1\) linear unabhängigen Maschengleichungen. Dabei werden die Gleichungen mit Hilfe des vollständigen Baumes erstellt.
5.
Lösen des Gleichungssystems mit der Dimension \(z\).
6.
Ggfs. rückgängig machen von Schritt 1.

Es wird folgendes Beispielnetzwerk betrachtet:

Die Abbildung zeigt ein rechteckiges Leitungsnetz mit einem oberen, einem mittleren und einem
unteren Horizontalzweig sowie einem senkrechten Mittelzweig. In den drei Horizontalzweigen liegen
die Spannungsquellen U_1, U_2 und U_3; drumherum sind die Widerstände R_1 bis R_8
verteilt, zwei auf jeder Außenseite und vier im inneren Bereich (links R_2, rechts R_6, im
Mittelzweig oben R_5 und unten R_7). So entstehen mehrere geschlossene Maschen, in denen die
Teilströme I_1 bis I_8 durch Pfeile in den jeweiligen Zweigen vorgegeben sind.

Abbildung 11: Beispielnetzwerk zur Knoten- und Maschenanalyse.

Der zugehörige Graph und die damit festgelegten Maschen werden in der Abbildung 12 dargestellt. Eine andere Aufstellung der Maschen ist möglich. Wie gezeigt, können Maschen auch über Zweige hinaus reichen.

Die Abbildung zeigt ein quadratisches Netz, das durch ein Kreuz in vier gleich große Teilmaschen
M_1(oben links), M_2(unten links), M_3(oben rechts) und M_4(unten rechts) unterteilt ist; in
jeder Masche ist ein Pfeil als Umlaufrichtung eingezeichnet. An den Mittelpunkten der vier
Außenkanten sowie am Schnittpunkt in der Mitte liegen die Knoten K_1(oben), K_2(links),
K_3(rechts), K_4(unten) und K_5(Zentrum). Ein Teil der äußeren Leitungen und die
Knotenbeschriftung sind in Rot hervorgehoben, um einen Baum zu simbolisieren.

Abbildung 12: Graph mit Maschen zum Beispiel. Die Baumzweige werden rot und die Maschen blau gefärbt.

Das Netzwerk hat \(z=8\) Zweige, \(k=5\) Knoten. Es müssen daher \(k-1=4\) Knotengleichungen und \(z-k+1=4\) Maschengleichungen aufgestellt werden. Knoten 5 hat vier Zweige, die anderen nur drei. Daher wird die Knotengleichung von Knoten 5 weggelassen.

\begin {align*} K_1:\qquad & I_1+I_4-I_5=0\\ K_2:\qquad & I_2-I_4-I_8=0\\ K_3:\qquad & -I_1-I_3+I_6=0\\ K_4:\qquad & I_3-I_7+I_8=0\\ M_1:\qquad & R_2I_2 + R_4I_4 + R_5I_5 - U_{2} = 0\\ M_2:\qquad & R_4I_4 + R_5I_5 - R_7I_7 - R_8I_8 = 0\\ M_3:\qquad & -R_1I_1 - R_5I_5 - R_6I_6 + U_{1} = 0\\ M_4:\qquad & R_3I_3 + R_6I_6 + R_7I_7 - U_{3} = 0 \end {align*}

Um das Gleichungssystem einfacher lösen zu können, und die Übersichtlichkeit zu erhöhen, kann es in Matrizenschreibweise dargestellt werden. Mit etwas Übung kann auch sofort die Matrizenschreibweise benutzt werden.

\begin {equation*} \left [\begin {array}{cccccccc} 1&0&0&1&-1&0&0&0\\ 0&1&0&-1&0&0&0&-1\\ -1&0&-1&0&0&1&0&0\\ 0&0&1&0&0&0&-1&1\\ 0&R_2&0&R_4&R_5&0&0&0\\ 0&0&0&R_4&R_5&0&-R_7&-R_8\\ -R_1&0&0&0&-R_5&-R_6&0&0\\ 0&0&R_3&0&0&R_6&R_7&0 \end {array}\right ] \cdot \left (\begin {array}{c} I_1\\I_2\\I_3\\I_4\\I_5\\I_6\\I_7\\I_8 \end {array}\right ) = \left (\begin {array}{c} 0\\0\\0\\0\\U_{2}\\0\\-U_{1}\\U_{3} \end {array}\right ) \end {equation*}

Dieses Gleichungssystem 8. Ordnung kann nun prinzipiell mit den aus der Mathematik bekannten Verfahren gelöst werden. Das wollen wir aber hier nicht tun, da im folgenden einfachere Verfahren vorgestellt werden, die besser zu berechnen sind.

Beispiel 1: Netzwerkanalyse

Gegeben ist das elektrische Netzwerk nach Abbildung 13. Die folgenden Aufgaben sollen bearbeitet werden:

a)
Einzeichnen der Ströme und Spannungen
b)
Aufstellen der Knotengleichungen
c)
Aufstellen der Maschengleichung \(M_1\)
d)
Aufstellen der Maschengleichung \(M_2\) ohne den Ausdruck \(U_1\)
Die Schaltung besteht aus einem rechteckigen Leitungsrahmen mit vier senkrechten
        Zweigen: links eine Stromquelle mit Strom I_0 nach oben, daneben der Widerstand
        R_1, weiter rechts eine Serienschaltung aus Spannungsquelle U_1(Pfeil nach unten)
        und Widerstand R_2 sowie ganz rechts eine Serienschaltung aus Spannungsquelle
        U_2(Pfeil nach unten) und Widerstand R_3. Alle Zweige sind oben und unten
        miteinander verbunden, sodass drei benachbarte Maschen entstehen. Zwischen dem
        R_1- und dem R_2-Zweig ist die Masche M_1, zwischen dem R_2- und dem
        R_3-Zweig die Masche M_2, jeweils mit einem Pfeil im Uhrzeigersinn markiert.
Abbildung 13: Beispiel. Netzwerkanalyse mit Kirchhoffschen Regeln.
a)
Angabe der Ströme und Spannungen:
Die Schaltung bildet einen rechteckigen Rahmen mit vier senkrechten Zweigen: links eine Stromquelle mit Strom I_0 nach oben, daneben der Widerstand R_1, weiter rechts eine Serienschaltung aus Spannungsquelle U_1 und Widerstand R_2 und ganz rechts eine Serienschaltung aus Spannungsquelle U_2 und Widerstand R_3. Die oberen Anschlüsse aller Zweige sind zu einem gemeinsamen Knoten K_1, die unteren zu K_2 verbunden; in den Zweigen fließen die Ströme I_1, I_2 und I_3 nach unten. Die Spannungen über den Widerständen heißen U_R1, U_R2 und U_R3, über den Quellen U_1 und U_2; zwischen R_1 und R_2 sowie zwischen R_2 und R_3 verlaufen die Maschen M_1 und M_2 im Uhrzeigersinn als Bezug für die Maschengleichungen eingezeichnet.
b)
Knotengleichungen: \begin {align} K_1: I_0-I_1-I_2-I_3&=0 \nonumber \\ K_2: -I_0+I_1+I_2+I_3&=0 \nonumber \end {align}
c)
Aufstellen der Maschengleichung \(M_1\) und \(M_2\): \begin {align} M_1: U_1+U_\mathrm {R2}-U_\mathrm {R1}&=0 \nonumber \\ M_2: U_2+U_\mathrm {R3}-U_\mathrm {R2}-U_1&=0 \nonumber \end {align}
d)
Aufstellen der Maschengleichung \(M_2\) ohne den Ausdruck \(U_1\) \begin {align} M_1: U_1&=U_\mathrm {R1}-U_\mathrm {R2} \nonumber \\ M_2: U_2+U_\mathrm {R3}-U_\mathrm {R2}-(U_\mathrm {R1}-U_\mathrm {R2})&=0 \nonumber \\ M_2: U_2+U_\mathrm {R3}-\cancel {U_\mathrm {R2}}-U_\mathrm {R1}+\cancel {U_\mathrm {R2}}&=0 \nonumber \\ M_2: U_2+U_\mathrm {R3}-U_\mathrm {R1}&=0 \nonumber \end {align}
×

...